Du bist wo du kaufst – wenn Shops zu Marken werden

von Johannes Altmann Oktober 20, 2016

Du bist wo du kaufst – wenn Shops zu Marken werden

Früher war die Welt deutlich einfacher. Es gab soziale Schichten, die bestimmte Waren gekauft haben, weil nur sie sich diese Waren leisten konnten. Mit anderen Schichten, Typen und Milieus musste sich der Verkäufer nicht beschäftigen. Einfach war zudem, dass die Bürger der Schicht gut zu erkennen waren. Sie waren gut gekleidet, hatten die richtige Wortwahl und wohnten in bestimmten Vierteln der Stadt.

Heute ist alles anders und alles schwieriger. Aus den Schichten 70er Jahren und den Milieus in den 90er Jahren sind heute Lebenstile geworden. Menschen legen sehr viel Wert auf ihr eigenes Lebensmodell und neigen zur starken Individualisierung. So ist das Auto vielleicht nicht mehr so wichtig aber bestimmte Kleidung aus nachhaltiger Produktion. Eine Rolex ist für viele Manager überhaupt nicht mehr das Ziel der Karriere sondern eher eine Garmin oder Polar Sportuhr, um die Leistung in der Freizeit genau zu tracken.

In einer gesättigten Welt verlieren sogar bisherige Statussymbole ihren Reiz. Porsche, Rolex & Co. sind nicht mehr auf der Wunschliste. Menschen wünschen sich heute ganz andere Dinge. Von den 10 wünschenswerten Dingen der Deutschen ist nur die Immobilie mit Geld kaufbar. Auf der Liste stehen Zeit, Unabhängigkeit, Gesundheit, ein Leben nach Werten, der Wunsch nach einer bedeutenden Arbeit und Bildung ganz weit oben. Damit verbunden auch der Wunsch nach Minimalismus – ein einfaches und vorwiegend praktisches Leben. Deshalb blüht auch die shared economy: Lieber leihen statt kaufen. Heute hat da moderne Leben Statussymbole wie Netflix, Amazon Prime, DriveNow und Spotify.

Genauso wie diese Services zum eigenen, individuellen Lebensstil gehören, sind auch Shops darin fest verankert. Aus Prinzip geht man heute nicht in bestimmte Geschäfte – erzählt aber von anderen. Shops über die man spricht „kennst du schon…“ sind heute schon Bestandteil eines Lebensstils. Es geht nicht mehr um das Produkt sondern um den Ort wo wir kaufen. Du bist wo du kaufst und nicht mehr was du kaufst. Allein aus diesem Grund brauchen Online-Shops eine einzigartige Story, einen einzigartigen Plan.

Lebensgefühl statt Produkte

Ein Blick auf die Shops von Manufactum, Pearl, Keller-Sport oder Armedangels zeigt – hier geht es um ein Lebensgefühl, einen Style und nicht mehr nur um das blanke Beschaffen von Produkten. Die Produkte werden eingebettet in eine stimmige Geschichte aus Spaß, Information, Nachhaltigkeit, einzigartigem Design und hervorstechender Usability. Diese Kunst beherrschen inzwischen nicht mehr nur die Top Brands wie Adidas sondern auch die typischen Händler im Netz. Ohne Geschichte bleibt nur der Preis als Argument. Für diesen Weg haben sich die mehr als 45.000 Onlineshops im Preisvergleich von Idealo.de entschieden. Sie sind nur erfolgreich, wenn es ihnen gelingt dauerhaft unter die günstigsten Anbieter zu kommen. 

Unternehmer müssen sich und ihre Kunden heute wieder selbst entdecken, um die neue Chance zu nutzen. Gekauft wird bei AMAZON – Bausteine für den eigenen Lebensstil gibt es woanders.




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Johannes Altmann
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November 07, 2016

Ach und hier noch Video zum Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=ajXdU5bwdjs

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